Wertekonsens

Bündniskonsens – Potsdam for Future

Als Bündnis Potsdam for Future sind wir entsetzt über das Versagen der deutschen und internationalen Klimapolitik. Trotz unzähliger Absichtserklärungen und menschenrechtlicher Verpflichtungen sind die bisherigen Maßnahmen für Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung und gerechte Ressourcenverteilung völlig unzureichend. In unserer Arbeit stützen wir uns auf den breiten wissenschaftlichen Konsens über die Ursachen und Folgen der menschengemachten Klimakrise und verweisen dabei mahnend auf die Beschlüsse des völkerrechtlich bindenden Pariser Klimaschutzabkommens (Paris Agreement). ¹

Mit der ersten internationalen Umweltkonferenz in Stockholm 1972 und mit dem Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) gab es schon vor über 45 Jahren die ersten konkreten, wissenschaftlich fundierten Warnungen über die Folgen des ausbeuterischen Wirtschaftens. ² ³ Jahrzehnte später hat dieser Raubbau an der Natur und am Menschen uns längst in eine globale Klimakrise geführt, die nicht nur den Artenreichtum unseres Planeten zerstört, sondern auch das Wohl und die Gesundheit aller Menschen gefährdet. Mit dem Übereinkommen von Paris hat die internationale Staatengemeinschaft 2015 anerkannt, wie dringend erforderlich es ist, den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg auf „deutlich unter 2°C, möglichst 1,5°C“ zu begrenzen und dass hierfür das sofortige Handeln aller nötig ist.

Noch sind die Ziele des Abkommens erreichbar. Doch mit jedem Tag, an dem die Politik unzureichend handelt, wird es unwahrscheinlicher, dass die Ziele erreicht werden. Klar ist: Schon heute werden durch die Erderhitzung Lebensgrundlagen zerstört und auch wir sind längst von den Auswirkungen betroffen. Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird der Wettstreit um Ressourcen in Zukunft noch intensiver geführt werden, die Zahl der Opfer von klimabedingten Extremwetterereignissen wird weiter ansteigen und Millionen von Menschen werden gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen.

Um den Ursachen und Folgen der Klimakrise entgegenzuwirken und einen globalen Temperaturanstieg von über 1,5°C zu verhindern, können wir uns nicht länger auf Beschwichtigungsversuche und Scheinlösungen als Ergebnis unzeitgemäßer Politik verlassen. Aus diesem Grund kämpfen wir gemeinsam in der Überzeugung, dass alle politischen, zivilgesellschaftlichen und sozialen Institutionen zusammenarbeiten müssen, damit wir noch eine Chance haben, die Klimakrise zu bewältigen und die Lebensgrundlage aller zu retten. Als lokales Klimaschutzbündnis setzen wir uns ein für eine gesellschaftliche Transformation hin zu einer klima-, sozial-, und generationengerechten Welt.

Dafür haben wir uns auf folgende zentrale Punkte geeinigt:

1. Klimagerechtigkeit als übergeordnetes gesellschaftliches Ziel

Angesichts des hohen Zeitdrucks muss die Eindämmung der Klimakrise fortan oberste Priorität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Hier sehen wir besonders die alten Industriestaaten des globalen Nordens in der Pflicht zu handeln. Diese tragen aufgrund ihrer langen Industrie- und Kolonialgeschichte und ihrer daraus resultierenden wirtschaftlichen Position eine besonders große historische Verantwortung für die Klimakrise und deren Folgen. Auch die weiteren Mitglieder der 1G20-Staatengemeinschaft tragen durch ihre hohen CO 2 -Emissionen signifikant zur globalen Erderhitzung bei. ⁴ Diese Folgen treffen jedoch jene Menschen am meisten, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben.

Eine verantwortungsvolle Klimapolitik bedeutet für uns, die Verursacher*innen haftbar zu machen, um Betroffene zu entschädigen und solidarisch zu unterstützen. Maßnahmen zum Klimaschutz müssen nationale und internationale Unterschiede berücksichtigen und sozialen Ungerechtigkeiten entgegenwirken. Dauerhaften und wirksamen Klimaschutz betrachten wir dabei als Voraussetzung zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte.

2. Die Zukunft, für die wir kämpfen

Wir kämpfen für den Erhalt unserer Lebensgrundlage und für eine solidarische Gesellschaft, die alle Menschen gleich achtet; für eine Welt, in der wir ohne Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und alle anderen Formen von Diskriminierung und Unterdrückung zusammenleben können.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir ein zukunftsfähiges Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell etablieren, was unter anderem eine grundlegende Umgestaltung der Sektoren Energie, Ernährung, Verkehr, Konsum und Soziales umfasst. Die letzten Jahrzehnte haben uns gezeigt, dass sich die aktuelle Umwelt- und Klimakrise in unserem derzeitigen ausbeuterischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem nicht lösen lässt.

3. Solidarisch gemeinsam Handeln

Das Anliegen des Bündnisses ist es, zum einen weiter Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben und zum anderen den Potsdamer*innen eine Möglichkeit zu bieten, sich klimapolitisch zu engagieren. Wir sind überzeugt, dass sich die Klimakrise durch gemeinsames, internationales und solidarisches Handeln und politische Verantwortungsübernahme der Zivilgesellschaft lösen lässt. Als Bündnis stehen wir für ein breites Spektrum des sozialen und klimapolitischen Engagements und entwickeln Ideen und Kampagnen, um unsere Gesellschaft umwelt- und klimafreundlich sowie sozial gerecht zu gestalten.

Wir vernetzen uns dafür auf kommunaler Ebene und begrüßen den Einsatz anderer Städte, Gemeinden und Regionen für verantwortungsvollen Klimaschutz und ihre gemeinsamen Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise. Das Bündnis Potsdam for Future.

Quellenverzeichnis:

1) Vgl. Meadows, D., u.a. (1972), The Limits to Growth: A report for the Club of Rome's Project on the Predicament of Mankind, Digital by Dartmouth, Dartmouth College Library, https://collections.dartmouth.edu/content/deliver/inline/meadows/pdf/meadows_ltg-001.pdf (06.01.2020).

2) Vgl. Sonderbericht des Weltklimarates, 2018, (IPCC), https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/weltklimarat-ipcc/sonderbericht-des-weltklimarates-ueber-15degc (06.01.2020)

3) Vgl. Eckpunkte des Pariser Abkommens, 2015, https://ec.europa.eu/clima/policies/international/negotiations/paris_de (15.01.2020).

4) Vgl. Fossil CO 2 and GHG emissions of all world countries 2019 Report (European Commission), https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/9d09ccd1-e0dd-11e9-9c4e-01aa75ed71a1 (15.01.2020).